Wie wirkt Yoga?

Alles für Körper, Geist und Seele oder doch eher Rückenschmerzen lindern, fit bleiben und Stress reduzieren? Worum geht es im Yoga wirklich?

Sabine Willmann – Yogalehrerin, Ausbilderin und Inhaberin des Santosa Yoga Studios in München-Giesing

Die Bedürfnisse im Yoga sind mittlerweile so vielfältig, wie die Menschen, die Yoga machen. Mehr Fitness, Rückenschmerzen lindern, flexibler werden, Stress abbauen oder doch die Sehnsucht nach Erleuchtung? Als Yogalehrerin ist es gar nicht so leicht, die passende Yogastunde zu entwickeln und dabei allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Lass uns gemeinsam die Frage beantworten: Wie wirkt Yoga?

Fitness, Rückenschmerzen lindern, Stress abbauen oder doch die Erleuchtung?

Sobald ich meine Yogastunden anfange vorzubereiten, frage ich mich als erstes: „Was würde den Teilnehmenden heute guttun? Was brauchen sie?“. Durch viele Gespräche mit Teilnehmenden, Freunden und anderen Yogalehrenden, ist mir klar geworden, wie facettenreich Yoga in wirklich ist. In meinem Yogastudio findest Du daher auch unterschiedliche Yogastunden im Kursplan – von Level 1 für Einsteiger und alle, die eine sanfte und entschleunigte Praxis lieben (keine Vorkenntnisse notwendig) oder Level 2 für alle, die eine fließende Praxis mit neuen Erfahrungen schätzen (erste grundlegende Yogakenntnisse sind sinnvoll).

Die einen wollen sich mit Yoga vom Alltag, dem anstrengenden Bürotag oder einfach mal zwischendurch entspannen. Andere wünschen sich für ihren Körper etwas Gutes, wie z.B. mehr Flexibilität oder Kraft.

Inhaltsverzeichnis

Als Yogalehrerin beginnt meine Aufgabe nicht nur das Ausarbeiten und Durchführen schöner Yogastunden. Auch das aktive Zuhören gehört dazu! Was mir die Teilnehmenden vor der nach den Yogastunden über ihre Bedürfnisse erzählen, ist die Grundlagen dafür, wie ich meine Yogastunden gestalte.

Die Top 5 der Bedürfnisse

Wie Du siehst, sind die Bedürfnisse sehr vielfältig. Mich als Yogalehrerin stellt das immer wieder vor die Frage: „Wie gestalte ich eine Yogastunde, die all das erfüllt? Ist das überhaupt möglich? Geht es im Yoga nicht um etwas ganz anderes, tieferes, spirituelleres?“

Seit über 25 Jahren gehe ich meinen Weg in der Yogawelt. Wenn ich mich mittlerweile so umschaue, entdecke ich fast täglich neue Yogastile, um all die verschiedenen Bedürfnisse zu erfüllen. Zu den traditionellen, wie Vinyasa Yoga, Yin Yoga, Hatha Yoga, Anusara Yoga, Kundalini Yoga… kommen trendigere – und wie ich finde teilweise auch fragwürdige – Varianten dazu, wie Face Yoga, Guerilla Yoga (Yoga an verrückten Orten), Doga (Yoga mit Hunden), Ziegen Yoga, Bier Yoga …

Braucht es viele verschiedene Yogastile, damit Yoga wirkt?

Grundsätzlich denke ich, dass es in besonderen Lebenslagen eine Anpassung des klassischen Yoga braucht. Nicht unbedingt eine neue Yogamethode. Es braucht zeitweise eine Praxis, die auf dem Ursprünglichen basiert und sich angepasst an die speziellen Bedürfnisse. Dort wo es Sinn macht, wie z.B. im Kinder Yoga – spielerisch, bunt und an die Aufmerksamkeitsspanne des entsprechenden Alters angepasst. Oder im Schwangeren Yoga – entsprechend den Bedürfnissen des sich veränderten Körpers der Mutter und des heranwachsenden neuen Menschen…

Und da bin ich wieder bei der Frage: Ist das alles dann noch Yoga? Wird ein Kinder Yoga nicht schnell zu einer Turnstunde? Worum geht es im Yoga wirklich?

Was sagt die Geschichte des Yoga dazu?

Gehen wir dazu kurz in die Ursprünge des Yoga zurück. Wann genau Yoga entstanden ist, lässt sich historisch schwer nachvollziehen. Das liegt unter anderem daran, dass es vor tausenden von Jahren wenig Möglichkeiten gab, Yoga-Techniken schriftlich zu dokumentieren. Vielmehr wurde das Wissen mündlich überliefert. Später wurde das, was bis dahin überliefert wurde, schriftlich festgehalten: in den Veden ca. 1.500 Jahre v. Chr. Yoga selbst ist vermutlich aber schon viel älter.

Damals ging es – Überraschung – nicht darum im Yoga Bier- oder Weingläser zu balancieren, gleichzeitig körperlich fit zu bleiben und mental zu entspannen. Ich hatte übrigens tatsächlich einmal eine Anfrage, ob ich Aperol Yoga unterrichte. Als ich nachgefragt habe, was das ist, bekam ich die Antwort: „Man balanciert sein Aperol Glas so, wie man sonst immer den Yogablock balanciert.“ In meinen Yogastunden balancieren wir selten Yogablöcke. Wenn wir Blöcke balancieren, dann ist es Teil einer bestimmten Übung, nicht der Fokus der Yogastunde. Mein Vorschlag, erst Yoga zu machen und danach Aperol zu trinken, wurde dankend abgelehnt. Vielleicht kannst Du zwischen den Zeilen hier lesen und erkennst, dass ich kein Fan von diesen Yogatrends bin. Ich bin offen und neugierig, aber für mich ist Yoga etwas Besonderes! Es ist eine Lehre, die Jahrtausende alt ist. Es hat den Weg über viele Kulturen und Weltgeschehen zu uns gefunden. Für mich ist es ein Privileg und Geschenk Yoga unterrichten zu dürfen! Dabei bemühe ich mich, meine eigenen Erfahrungen, neues Wissen aus Medizin und Gesundheit zu vereinen und den Ursprüngen des Yoga dabei treu zu bleiben.

Die bei uns heute so beliebten Asanas waren traditionell gesehen eigentlich nur ein Mittel zum Zweck: um stabil und angenehm zugleich in der Meditation verweilen zu können. Der Körper wurde genutzt, um die Gedanken im Geist ruhig und klar werden zu lassen.

„Für mich ist es in Privileg und Geschenk Yoga unterrichten zu dürfen!“

So weit weg von unseren heutigen Bedürfnissen nach innerer Ruhe und Klarheit ist das nicht! Auch wir wünschen uns immer wieder, dass die Gedanken zwischendurch Pause haben, dass wir zur Ruhe kommen ohne Erwartungen erfüllen zu müssen. 

Im Vergleich zu früher hat sich unser Leben verändert. Dank moderner Medizin leben wir länger. Dank kultureller Entwicklungen haben wir verschiedenste Berufe und Zugang zu Wissen, arbeiten anders, sitzen mehr und denken intensiv.

Daher sind Asanas heute immer noch wichtig! Statt viel am Computer zu sitzen, uns einseitig zu bewegen, braucht unser Körper verschiedene Bewegungen – mal kraftvoll, mal mobilisierend, mal dehnend, mal ausgleichend.

Wissenschaftliche Studien belegen sehr deutlich, dass Bewegung außerdem entspannt, indem sie Stresshormone, wie Cortisol und Adrenalin, abbaut und gleichzeitig Glückshormone, wie Endorphine, Serotonin, Dopamin ausschüttet.

Die Top 3 der gesundheitlichen Vorteile von Yoga

Wie wirkt Yoga wirklich?

Wie Du merkst, versuche ich immer wieder aus verschiedenen Perspektiven auf Yoga blicken.

Wenn ich selbst auf die Matte gehe, frage ich mich, was ich heute brauche. Entspannung, Ausgleich, Kraft, Leichtigkeit… ? In jedem Fall: ZEIT FÜR MICH. Ich ziehe mich zurück aus meinen Rollen als Mutter, Ehefrau, Tochter, Studioinhaberin, Yogalehrerin, Freundin, Schwester. Streife all die Erwartungen daran ab. In meiner eigenen persönlichen Yogapraxis geht es nur um mich. Um all die Schichten meiner Rollen im Leben abzulegen, nutze ich die körperliche Bewegung, das bewusste Atmen, die Meditation und das sehnsüchtige Entspannen. Was übrig bleibt, ist die Verbindung mit mir selbst. Es ist eine Verbindung mit dem tiefen ehrlichen Kern in mir, der unberührt ist von allem. Ein tiefes Gefühl, das es etwas in mir gibt, das es gut mit mir meint. Mir eine wohlwollende Unterstützung ist, um zufrieden zu sein.  

Als Yogalehrerin nutze ich das Gehörte aus den Gesprächen und bilde mich stetig weiter. So erhalte ich automatisch neue Sichtweisen auf Yoga.

Wenn ich Yogastunden vorbereite, mache ich mir Gedanken über die Bedürfnisse meiner Teilnehmenden. Ich weiß, durch Asanapraxis, Pranayama, Meditation und Entspannung, schaffe ich eine Möglichkeit, dass sich alle – unabhängig von ihren individuellen Bedürfnissen – in meiner Yogastunde selbst wieder näherkommen.

Wenn ich Yogastunden vorbereite, mache ich mir Gedanken über die Bedürfnisse meiner Teilnehmenden. Ich weiß, durch Asanapraxis, Pranayama, Meditation und Entspannung, schaffe ich eine Möglichkeit, dass sich alle – unabhängig von ihren individuellen Bedürfnissen – in meiner Yogastunde selbst wieder näherkommen.

Frau übt die Yogahaltung Kobra und bekommt Unterstützung von Yogalehrerin

Unabhängig davon, was Du am liebsten magst in einer Yogastunde, ist die Wirkung für alle gleich: Du gehst eine ehrliche Verbindung mit Dir selbst ein. Körper und Geist sind wie Tore, die wir nutzen dürfen, um uns wieder näher zu kommen. Der Blick für uns selbst wird klarer und wir merken, es geht um mehr als den Körper zu bewegen. Das Wort „Yoga“ bedeutet im Sanskrit, der alten indischen Sprache, in der die Yogischen Schriften geschrieben sind: VERBINDUNG.  Verbindung von Körper, Geist und Seele. Verbindung nach innen. Verbindung zu einem Bewusstsein in uns, das immer da ist. Sich durch uns zeigt in Lebendigkeit, Vielfältigkeit, Freiheit und der Freude daran, all das zu erleben.

Worum geht es für Dich im Yoga?

Ich freue mich, wenn wir uns bei einer meiner nächsten Yogastunden dazu austauschen können. Vielleicht hast Du ja auch Lust tiefer mit mir einzutauchen in einer Yoga Ausbildung oder einem Workshop!

Ich wünsche Dir Geduld und innere Neugier, um Deine Antwort auf die Frage: „Worum geht es im Yoga für Dich wirklich?“, in Ruhe zu finden.

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Über die Autorin:

Sabine Willmann praktiziert selbst seit über 25 Jahren Yoga und unterrichtet seit 2008. Um einen Ort der Kraft & Energie, aber auch Ruhe & Entspannung zu ermöglichen, hat sie 2016 das Santosa Yoga eröffnet. Sie ist fest davon überzeugt, dass Yoga eine besondere Wirkung für uns bereit hält und uns glücklich zufrieden macht! I

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